Ich finde solche Beiträge immer komisch.
Man kann natürlich kritisieren, weil es so offensichtlich scheint. Allerdings hat die Wegwerfgesellschaft in den letzten 100 Jahren unbestritten einen niemals zuvor auch nur annähernd dagewesen Wohlstand geschaffen.
Die Frage ist, auf wessen Kosten dieser Wohlstand geschaffen wurde. Die Dokumentation beherbergt nachdenklich stimmendes Filmmaterial von einer Elektroschrotthalde in Ghana. Derzeit ist es so, dass wir als entwickelte Industrienationen die durch das eingebaute Verfallsdatum verursachten Probleme auf Dritte-Welt-Länder abwälzen. Aber Ghana ist weit weg und deshalb brauchen wir unsere Probleme nicht zu sehen. Bezüglich der Offensichtlichkeit: Wenn ich ehrlich bin, sind mir ich beim Hardware-Kauf bisher noch nie Bilder von stinkenden Müllhalden durch den Kopf gegangen, zu denen ich aber unweigerlich beitrage.
Die IT-Industrie wäre gar nicht denkbar, mit Produktlebenszyklen von 20 Jahren.
Das ist sicher wahr. Aber auch hier sehe ich Optimierungspotential, zumindest im Consumer-Bereich. Muss es z.B. wirklich alle ein zwei Jahre ein neues Smartphone sein? Oder eine Grafikkarte? Tue ich wirklich etwas sinnvolles damit?
Natürlich ist das System nicht ewig aufrechterhaltbar. Aber das sollte weniger Grund für hämisches "Ich hab's gewusst!" sein, als für ein bißchen Trauer. Denn ob sich die Wegwerfgesellschaft und Beibehaltung des Luxus einfach so abschaffen lässt, ist fraglich.
Ich halte weder Häme noch Trauer für angebracht, denn beides führt nicht zu Lösungen. In der ersten Welt haben wir uns daran gewöhnt, dass Geräte spätestens nach zwei oder drei Jahren ersetzt werden. Bei einem Defekt wird i.d.R. nicht repariert, sondern ein neues Gerät genommen. Das defekte Gerät werfen wir weg (danke, Ghana).
In Entwicklungsländern herrscht dagegen eine ganz andere Mentalität. Die Sachen sind dort viel zu kostbar, um sie wegzuwerfen, also wird versucht zu reparieren, was zu reparieren ist. Ich habe mal einen Menschen aus Kuba kennengelernt, der mir erzählte, dass man dort bei einer Reparatur ebenfalls analysiert, WARUM ein Defekt auftrat und wie man ihn zukünftig verhindern kann. So wird aus der Not wird eine Tugend, wovon wir in Sachen Nachhaltigkeit noch was lernen können, wie ich finde. Aber solange sich Geräte wie MP3-Player und Smartphones ohne auswechselbaren Akku verkaufen lassen, wird sich daran nichts ändern.
Die Doku verweist auf eine interessante Alternative, die auch dem Wirtschaftswachstum zuträglicher ist: Geräte so zu entwerfen, dass sie sich einfach recyceln lassen, um so Raum für Neues zu schaffen. Damit lassen sich Bedürfnisse hinsichtlich Lifestyle und kurzlebiger Modeerscheinungen wesentlich besser mit immer knapper werdenden Ressourcen vereinbaren, als mit unserer Wegwerfmentalität. Ich denke schon, dass in dieser Idee viel Potential steckt. Der Nachteil ist, dass ein auf Recycling optimiertes Gerät nun mal mehr kostet, als eines, dass so billig wie möglich mit diversen Verbundstoffen gefertigt wird. Es erfordert natürlich auch ein Umdenken beim Konsumenten (bei der Politik mache ich mir da eher weniger Hoffnungen), und die Bereitschaft, etwas mehr für ein Gerät auszugeben und langfristiger zu planen. Ich gebe zu, ein frommer Wunsch.